Handbuch 5. Auflage

692 Moch  13% aller Hilfen aus, stellt jedoch durchaus die personell und organisatorisch aufwendigste Hilfe- form dar, die zudem während einer durchschnitt- lichen Dauer von 26 Monaten erbracht wird (Sta- tistisches Bundesamt 2008). Die Inanspruchnahme einzelner Hilfearten, unter- schieden nach den ihnen zugrunde liegenden Rechtsbestimmungen, lässt sich wie folgt differen- zieren: Die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) ist nicht nur – nach der Erziehungsberatung – die häu- figste Hilfeart, sie hat auch seit den 1990er Jahren bei Weitem den größten Zuwachs an Einzelmaß- nahmen zu verzeichnen. Aber auch die Betreuung einzelner junger Menschen (Erziehungsbeistand- schaft, Betreuungshelfer und Soziale Gruppenarbeit) ist erheblich umfangreicher geworden. Hier wird deutlich, dass – aus durchaus unterschiedlichen Gründen – einer familienintegrierten Intervention zunehmend häufiger der Vorzug vor anderen Hilfe- arten gegeben wird. Demgegenüber hat sich die ra- sante Entwicklung der Maßnahmen in Tagesgrup- pen, wie sie in den 1980er Jahren zu beobachten war, v.a. im laufenden Jahrzehnt nicht fortgesetzt. Tab. 1:  Junge Menschen mit Hilfen zur Erziehung in Deutschland in den Jahren 1991 bis 2006 je 10.000 der unter 27-Jährigen nach Hilfeart (jährlich begonnene Hilfen) sowie durchschnittliche Hilfedauer 1991 2001 2006 Ver- änderung 1991–2006 in% Ver- änderung 2001–2006 in% Durchschnittliche Hilfedauer (2006 beendete Hilfen) in Monaten Erziehungsberatung (§28) 59 118 134 +127 +14 7 Erziehungsbei- stand/ Betreuungshelfer (§29); Soziale Grup- penarbeit (§30) 8 19 23 +188 +21 12 Sozialpädagogische Familienhilfe (§31) (je 10.000 Familien) 14 37 59 +321 +59 16 Tagesgruppe (§32) 3 5 5 +67 0 24 Vollzeitpflege (§33) 4 4 4 0 0 51 Heimerziehung (§34) 9 12 11 +22 - 8 26 Intensive Sozialpäd­ agogische Einzel- betreuung (§35) 0,18 0,58 0,87 +322 +483 16 Bei der vollstationären Unterbringung in Heimen, Wohngruppen und ähnlichen Wohnformen ist seit 2006 ein Rückgang in der Häufigkeit der Maßnah- men zu verzeichnen, was insbesondere die unter 12-Jährigen betrifft. Im absoluten Umfang eher randständig sind die Maßnahmen der Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung (ISE), deren relative Häufigkeit sich jedoch nahezu vervierfacht hat. Bei fast allen Hilfen außerhalb des Elternhauses hat der Anteil derjenigen Hilfen, denen im indivi- duellen Hilfeverlauf bereits eine andere Maßnahme vorausgegangen war, in den Jahren 1991 bis 2006 erheblich zugenommen (bei Tagesgruppen von 58% auf 72%; bei Vollzeitpflege von 64% auf 78%). Die Geschlechterverteilung in einzelnen Hilfearten ist durchaus unterschiedlich: Bei der Erziehungs- beratung, bei der Sozialen Gruppenarbeit sowie in Tagesgruppen sind Mädchen deutlich unterre- präsentiert. Auch in der Heimerziehung sind jüngere Mädchen bedeutend seltener anzutreffen als Jungen. Der Mädchen-Anteil nimmt aber mit dem Alter erheblich zu (Daigler / Finkel 2000). In Pflegefamilien sind Mädchen und Jungen gleich häufig vertreten. Bei den (eher seltenen) Betreu-

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