Handbuch 5. Auflage

70 Naegele  leben vor allem deswegen allein, weil sie verwitwet sind. So finden sich unter den 80-jährigen und äl- teren Frauen zu fast 70% Witwen (vgl. Abbildung 4). Neben der höheren Mortalität der Männer sind dafür auch die geschlechtstypischen Unterschiede in den Heiratsaltern verantwortlich. Zunehmend bestimmen aber auch älter werdende „bewusste“, d.h. „freiwillige“ Singles (Ledige, Geschiedene bzw. getrennt Lebende) den Trend zur Singularisierung des Alters. Mit einem Verbreitungsgrad von knapp 50% bil- det der Zwei-Personen-Altenhaushalt (zumeist ver- heiratet) die wichtigste Wohnform im Alter. Der Mehrgenerationenhaushalt, also das Leben zusam- men mit den Kindern, ist mit weniger als 5% für ältere Menschen dagegen fast schon zur Ausnahme geworden. Aber auch die neuen Formen des Ge- meinschaftswohnens älterer Menschen finden sich (noch) ganz selten. Grundsätzlich bedeutet Allein- leben, überdurchschnittlich häufig auf praktische Unterstützung durch Dritte angewiesen zu sein. Die schwindende Bedeutung des Zusammenlebens mit Kindern und Enkelkindern entspricht einem weit verbreiteten Wunsch sowohl der Kinder als auch der älteren Menschen selbst. Sie wollen – so lange dies möglich ist – eigenständig wohnen und leben. Die Formel von der „Intimität auf Abstand“ charakterisiert die von den älteren Menschen selbst gewollte Art und Qualität der Beziehungen zur ei- genen Familie, denn durch die auch räumliche Dis- tanz zu den Kindern lassen sich am ehesten gegen- seitige Abhängigkeiten, Kontrollen und Konflikte vermeiden. Hochaltrigkeit Hochaltrigkeit, d. h. ein Leben jenseits des 80. / 85. Geburtstages, gilt als herausragender Indikator des Strukturwandels des Alters. Sozialpolitisch bedeut- sam ist hierbei die enge Bindung von Krankheit, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit an ein sehr hohes Alter. Wachsende Hochaltrigkeit impliziert somit zugleich einen steigenden Bedarf an Unterstützung durch organisierte soziale Dienste, zumal auch die sonstigen traditionellen, vor allem familiären Sys- teme der Unterstützung für diesen Personenkreis demografisch wie soziostrukturell bedingt schwä- cher werden und vermutlich nicht im gleichen Maße durch andere Stützsysteme kompensiert wer- Abb. 4:  Familienstand von Männern und Frauen über 60 Jahren 2005. In % der jeweiligen Altersgruppen (nach Statistisches Bundesamt 2008) 7,5 6,2 4,9 3,9 4,4 4,7 4,8 5,6 7,1 9,0 78,8 80,5 80,2 75,9 59,3 70,7 64,7 53,2 38,3 16,5 3,8 6,0 9,8 16,5 33,1 13,6 21,9 34,7 49,1 69,8 9,9 7,2 5,1 3,6 3,2 11,0 8,6 6,6 5,5 4,8 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 60-65 65-70 70-75 75-80 80 u. mehr 60-65 65-70 70-75 75-80 80 u. mehr geschieden ledig verheiratet verwitwet Männer Frauen

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