Handbuch 5. Auflage
710 Ley · Seelmeyer ren und Gebilde […], die in soziale Handlungszu- sammenhänge zur Steigerung ausgewählter Wir- kungen eingebaut werden“ (Rammert 1993, 10). Insofern fallen unter den breiten Begriff der Tech- nologien formalisierte Verfahren wie das Manual einer evidenzbasierten Sozialen Arbeit oder eines Qualitätsmanagementsystems ebenso wie Instru- mente der Hilfeplanung oder Diagnostik. Informa- tionstechnologie bezeichnet dann im Speziellen eine digitalisierte Informations- und Daten verarbeitung (einschließlich der zu diesem Zwecke eingesetzten „technischen Basis“ von Hardware und Software); Digitalisierung bezieht sich dabei nicht nur auf technische Mittel zur Vorstrukturierung arbeits- bezogener Abläufe (im „klassischen“ Sinne der EDV), sondern vielmehr auch auf mediale Formen im Hinblick auf (intra- und interorganisatorische) Kommunikation. Nutzung von Informationstechnologien in der Praxis Sozialer Arbeit Umfang und Form des Einsatzes von IT variieren in den verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit und sind u. a. abhängig davon, ob eine auf Einzel- fälle oder sogar Einzelleistungen bezogene Doku- mentation und Abrechnung erfolgt oder ob es sich um pauschalfinanzierte Maßnahmen handelt. Mit dem IT Report Sozialwirtschaft (zuletzt: Hal- far /Kreidenweis 2008; vorher EDV Handbuch Sozialwesen, Kreidenweis 1998) liegen seit einigen Jahren deskriptive Daten zur Entwicklung des Softwaremarktes in der Sozialen Arbeit und zur in formationstechnologischen Durchdringung sozial pädagogischer Organisationen vor. Ein verstärkter Einsatz von IT erfolgt in der So- zialen Arbeit ab Mitte der 1980er Jahre in Form von Fachanwendungen im Bereich der Verwal- tung und finanziellen Abwicklung von Hil- fen – insbesondere in der Sozialhilfe (Frommann 1987; Kantel 1990) und in der wirtschaftlichen Jugendhilfe – sowie deren statistischer Erfassung, die bspw. schon früh im Bereich der Drogenhilfe erfolgte (Schmid 2006). Diese Fachanwendungen werden ab Mitte der 1990er stärker um Funktio- nen im Bereich Controlling erweitert sowie zu- nehmend auch ergänzt um fachliche Aspekte zur Planung, Dokumentation und Evaluation von Hilfen (Kreidenweis 2004a, 48 ff.). Etwa seit der Jahrtausendwende beginnen sich umfassendere Fachanwendungen durchzusetzen, die Informa tionsverarbeitung und Prozessunterstützung auf der pädagogisch-fachlichen, der personal- und betriebswirtschaftlichen sowie der Management- und Steuerungs-Ebene miteinander verknüpfen . Heutzutage bildet insbesondere bei größeren Trä- gern und Komplexeinrichtungen die Integration unterschiedlichster Informationssysteme (E-Mail, Fachanwendungen, Dokumentenmanagement, Intranet, Telefonie, mobile Endgeräte,…) eine weitere Stufe der Entwicklung. Neue Technolo- gien in den Bereichen „Enterprise-Content-Management“, „Data-Mining“ und „semantische Suche“ bilden die Grundlage für komplexe For- men von Wissensmanagement, die auf eine Rela- tionierung von organisational gespeicherten In- formationen und beruflichem (Erfahrungs-) Wissen abzielen (Kreidenweis 2004a, Arnold et al. 2005). Bereits absehbar sind die zunehmende Integration von Fachanwendungen über Organi- sationsgrenzen hinweg – etwa zum Datenaus- tausch zwischen Kostenträgern und Leistungs- erbringern (auch unter dem Stichwort des E-Government: Brosch /Mehlich 2005; Brüg- gemeier et al. 2006) – sowie insbesondere in ge- sundheits- und pflegebezogenen Bereichen die Weiterentwicklung und der fortschreitende Ein- satz von Telematik und „smarten Objekten“, die das alltägliche Leben insbesondere älterer oder behinderter Menschen situationsabhängig unter- stützen sollen. Die Entwicklung von Experten- systemen und Simulationsverfahren, die auf Ar- beiten im Bereich der künstlichen Intelligenz aufsetzen (kritisch dazu Rammert 2007, 147 ff.), steckt hingegen noch ganz in den Anfängen. Ob überhaupt und wenn ja für welche konkreten An- wendungsfelder hier praxistaugliche Anwendun- gen geschaffen werden (können), lässt sich nicht absehen (ein erster Versuch: Herrmann 2008). Jenseits arbeitsfeldbezogener Differenzierungen lassen sich in Anlehnung an Degele (2000, 101 ff.) hier drei Kontexte der Nutzung von IT unter- scheiden, mit denen jeweils spezifische Anwen- dungen und Akteurskonstellationen von Klienten, Professionellen und Organisationen korrespon- dieren:
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