Handbuch 5. Auflage
Jugend 731 des Internets führt zu wachsender Benachteiligung hinsichtlich Teilhabe- und Selbstverwirklichungs chancen (Zillien 2006). Das Angebunden-Sein oder eben Nicht-angebunden-Sein an mediale Netzwerke entscheidet über den Zugang zu Wis- sensressourcen und Partizipationschancen. Dies gilt für den einzelnen Menschen ebenso wie für ganze Städte, Staaten – und selbst für Kontinente. Jugend und globale Märkte Der weltweite Zyklus von Geld und Gütern wird erst durch den Konsum geschlossen. Im Kaufakt werden Jugendliche Teil einer Akteurskette der Weltwirtschaft. Der Konsum von Waren wie Klei- dung, Kommunikationstechnik, Tonträgern, aber auch Süßwaren und Softgetränken ist als global erkennbare Äußerungsform zu verstehen, Aus- druck eines jugendlichen Lifestyles und zentrales Element von Jugendkulturen (Roth 2002). Jugend- liche verfügen heute über mehr finanzielles Kapital als jemals zuvor und bilden früh individuelle Kon- sumpräferenzen aus. Marken als komplexe und universell verständliche Kommunikationsmedien spielen für das jugendliche Selbstverständnis, die Selbstpräsentation und für Integrations- und Dis- tinktionsprozesse eine bedeutende Rolle. Marken sind meist statusbezogene Botschaften, die ohne Worte auskommen und im Fall globaler Warenzei- chen weltweit verstanden werden. Globale Marken sind verallgemeinerte, deterritorialisierte Univer- salmedien, die über medial inszenierte internatio- nale Superstars und weltbekannte Sporthelden Jugendliche als Konsumenten erreichen. „In An- betracht der Verbreitung derartiger Weltmarken ist es daher keineswegs abwegig, Markensymbole mit einer Weltsprache in Verbindung zu bringen, die nahezu überall auf der Welt anschlußfähig ist und verstanden wird“ (Hellmann 2003, 17). Da- mit erzeugen sie, oberflächlich gesehen, Redun- danz und Verwechselbarkeit: Regionale Typiken und kulturelle Besonderheiten scheinen in der grenzensprengenden Konsumwelt unterzugehen und von global brands mit homogenem Stil kolo- nialisiert zu werden. Lokal reagieren Jugendliche jedoch auf den Einfluss globaler Marken und stilis- tischer Normierungen unterschiedlich: durch Se- lektion, Aneignung und Ablehnung, (Re-)Inter- pretation oder Transformation. Hybride kulturelle Stile entstehen, in denen Globales und Lokales zu etwas Neuem – zu einem Mix – vereint werden. Das Neue kommuniziert etwas anderes, als es die einzelnen Stile für sich tun können. Dieser kreative Prozess setzt aber gesellschaftlich legitimierte Frei- räume für jugendliche und jugendkulturelle Ent- wicklungen voraus. Die Teilhabechancen an globa- len Märkten, kulturellen und medialen Angeboten sowie wissensbasierten Kommunikationskanälen sind weltweit ungleich verteilt. Armut und Arbeits- losigkeit sind alle Lebensbereiche betreffende Pro- bleme, denen ein großer Teil von Jugendlichen aus- gesetzt ist. Von den 1,2 Milliarden jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren, die 18% der Weltbevölkerung ausmachen, leben über 200 Millionen von weniger als einem US-Dollar, über 500 Millionen von weniger als zwei US-Dollar am Tag (UN 2007), vor allem in Südostasien und Afrika. Diese prekären Bedingungen betreffen Er- nährung, Gesundheit, Ausbildung, Obdach, Si- cherheit, Mobilität, politische und kulturelle Par- tizipation und schließlich auch Konsum. Es wäre aber verfehlt zu glauben, dass Kinder- und Jugend- armut ausschließlich in Entwicklungs- und Schwellenländern vorzufinden sei. Unsichere Le- bensbedingungen und Armut sind globale Phäno- mene mit unterschiedlichen Ausprägungen. Ar- beitslosigkeit stellt einen zentralen Risikofaktor für Benachteiligung und Armut dar. Ordentliche Beschäftigung ist ein wichtiges Instrument der Teilhabe – nicht nur am Arbeitsmarkt. Überall auf der Welt empfinden Jugendliche es als zunehmend schwieriger, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Ju- gendliche stellen zwar 25% der Weltbevölkerung im erwerbsfähigen Alter, machen aber 43,7% der Arbeitslosen aus. Dies bedeutet, dass fast jede zweite arbeitslose Person auf der Erde 15 bis 24 Jahre alt ist (UN 2007, 238). Ein globaler Mangel an ordentlichen Beschäftigungsmöglich- keiten hat zu einer Situation geführt, in der einer von drei Jugendlichen entweder eine Arbeit sucht, jedoch nicht findet, die Arbeitssuche vollständig aufgegeben hat oder aber einer Beschäftigung nachgeht und dennoch von weniger als zwei US- Dollar pro Tag leben muss. Um diese Schwierig- keiten zu umgehen, verbleibt eine wachsende Zahl junger Menschen – wenn es ihnen denn möglich ist – für eine längere Zeit in der Ausbildung.
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