Handbuch 5. Auflage

Jugendarbeit 739 (z.B. Mädchen- und Jugendarbeit, Cliquenarbeit, gesundheitsbezogene, internationale und interkul- turelle, künstlerisch-ästhetische, musik- und me- dienorientierte Angebote) für unterschiedliche Zielgruppen an. Ungeachtet ihres Normalisie- rungsaspektes ist die kommunale Jugendarbeit im- mer wieder von Jugendlichen aus eher sozial be- nachteiligten, „bildungsfernen“ Milieus geprägt (Schmidt 2009, 281), die diesem Arbeitsfeld ihre spezifischen Themen und Probleme der Lebens- bewältigung zur Bearbeitung aufprägen (berufliche Chancenlosigkeit, Ausgrenzung, Schul- und Ausbil- dungsprobleme, Migrationshintergrund, z.T. ver- bunden mit Gewalt- und Drogenkonflikten). Dieser Befund hat die Jugendarbeit wiederholt in die Strö- mung vielfältiger Präventionsansätze geleitet, deren durchaus prekäre Ambivalenzen jedoch immer wie- der unterschätzt wurden (Freund/Lindner 2001). Die verbandliche Jugendarbeit hingegen (explizit erwähnt in §12 SGB VIII) ist gekennzeichnet durch das überwiegend selbstorganisierte und ehrenamtli- che Engagement in gegenwärtig ca. 75 unterschied- lichen Jugendverbänden, welche sich durch je unter- schiedliche Wertorientierungen – etwa kirchlicher, politischer, sportlicher oder ökologischer Na- tur – auszeichnen (Böhnisch et al. 1991). Diese Ju- gendverbände sind selbstständige organisatorische Einheiten, die getragen werden von einer Vielzahl freiwilligerMitglieder, nur wenigenHauptamtlichen und sog. Funktionären; sie sind föderal organisiert in Stadt- und Kreisjugendringen, Landesjugendrin- gen und im Bundesjugendring. Im Mittelpunkt der praktischen Arbeit steht der pädagogische Bezug zwischen interessierten Jugendlichen und etwa gleichaltrigen Ehrenamtlichen, welche gleicherma- ßen und mehrheitlich demselben eher bürgerlichen bzw. einem Mittelschichtmilieu entstammen. Zen- trales Medium und pädagogische Aktionsform ist die periodisch sich treffende Gruppe und die hierauf bezogene Gruppenarbeit. Daneben wird die Arbeit in Jugendverbänden bestimmt durch themenbezo- gene Projekte, Maßnahmen der Kinder- und Ju- genderholung, Bildungsveranstaltungen, Reisen und (Ferien-)Freizeiten (Deutsches Jugendinstitut 2009). In der Zusammenschau von (notorisch verbes- serungsbedürftigen) Nutzeranalysen ergeben sich Größenordnungen von ca. 30% bis zu Spitzenwer- ten von ca. 60% bis 70% aller Kinder- und Jugend- lichen, welche die Angebote der Jugendverbände wahrnehmen (Rauschenbach 2009, 188). Jenseits der skizzierten binären Schematisierung ist das Arbeitsfeld der Jugendarbeit geprägt von Ge- meinsamkeiten, die sich zunächst in den tragenden Strukturprinzipien der Offenheit für alle Themen und Interessen der Adressaten, der Selbstorganisa- tion und der unumgänglich hieraus folgenden Par- tizipation (im Sinne von Selbstverantwortung, Selbstorganisation und Mitgestaltung) verorten. Dem entspricht eine offene und äußerst flexible Didaktik, die über die ausgeprägte Sensibilität für die Motive und Anliegen der Adressaten und eine dezidierte Methodenvielfalt die besondere Qualität dieses Handlungsfeldes gewährleistet. Im Rahmen der genannten Strukturprinzipien hat sich die Ju- gendarbeit in den letzten Jahren in vielfältigster Weise ausdifferenziert. Dies gilt für Handlungsfel- der, Arbeitsweisen und Angebotsformen, Metho- den und Zielsetzungen und verdeutlicht sich ins- besondere in der Mannigfaltigkeit ihrer Orte: Jugend- und Freizeitzentren, Jugendkunst- und Musikschulen, Kindermuseen, Reisen und Freizei- ten, Zeltlager, Straßen und Plätze, Spielmobile, Bildungsstätten, Bau- und Abenteuerspielplätze, soziokulturelle Zentren, neuerdings (Ganztags-) Schulen (Deinet / Sturzenhecker 2006). Da sich in den letzten Jahren insbesondere ältere Kinder, „Teenies“ und sog. „Lücke-Kinder“ als neue Adressaten und Nutzer erwiesen haben, ist das Arbeitsfeld folglich zutreffend als Kinder- und Jugendarbeit zu bezeichnen, welches über die nach- folgend komplexe Definition charakterisiert wer- den kann: „Kinder- und Jugendarbeit umfaßt alle außerschulischen und nicht ausschließlich berufsbildenden, mehr oder we- niger pädagogisch gerahmten, nicht kommerziellen er- lebnis- und erfahrungsbezogenen Sozialisationsfelder von freien und öffentlichen Trägern, Initiativen und Ar- beitsgemeinschaften, in denen Kinder und Jugendliche ab dem Schulalter selbständig, mit Unterstützung oder in Begleitung von ehrenamtlichen und / oder beruflichen MitarbeiterInnen individuell oder in Gleichaltrigengrup- pen zum Zweck der Freizeit, Bildung und Erholung ein- malig, sporadisch, über einen turnusmäßigen Zeitraum oder für eine längere, zusammenhängende Dauer zu- sammen kommen können“ (Thole 2000, 112). Diese augenscheinliche Variationsbreite wandelt sich jedoch immer wieder von einem positiven Qualitätsmerkmal bis hin zur Ungleichzeitigkeit

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