Handbuch 5. Auflage
752 Metz · Richard Reglements des Elternhauses einen aus dieser Si- tuation resultierenden Autoritäten- bzw. Genera- tionenkonflikt (Parsons 1971, 142). Auf diesem Hintergrund bildeten sich von der Adult Culture abgelöste, teilautonome Jugendkulturen, Peer- groups , die innerhalb der schulischen und univer- sitären Institutionen zwar weitgehend von fami- liären und beruflichen Verpflichtungen befreit, jedoch gleichzeitig der vollständig autonomen Selbstbestimmung enthoben waren. Diese Inte- ressengruppen gestatteten es den Heranwachsen- den durch die Möglichkeiten, die ihnen eine ei- gene Jugendsprache, Musik und Mode bot, ihre „Interaktions- und Kulturmuster partiell selbst zu gestalten“ (Müller-Bachmann 2002, 50). In die- sen jugendkulturellen Gruppen würde so, so ar- gumentiert Parsons, ein kulturell notwendiger Ablösungsprozess von der Elterngeneration voll- zogen. Angesichts dieser Thesen ist jedoch die geringe Dif- ferenziertheit des Begriffs der Jugendkultur als Youth Culture bzw. die eingeschränkte soziale Perspektive zu beachten, die sich lediglich auf eine us-amerika- nische Mittelschichtsituation bezieht. Baacke und Ferchhoff merken in diesem Zusammenhang an, dass es auf diesem Hintergrund kaum möglich sei, der Vielzahl von Jugendkulturen gerecht zu werden, die sich aus Mitgliedern gesellschaftlich marginali- sierter Milieus zusammensetzten und diese rand- ständige soziale Position in ihren Äußerungsformen gesellschaftskritisch thematisierten (Baacke/Ferch- hoff 1993, 412). Gerade durch ein Eingehen auf soziale Spannungs- situationen, die sich in solchen jugendlichen Ver- gemeinschaftungsformen und deren spezifischen Habitus manifestieren, zeichnen sich jedoch die Studien aus dem Hintergrund der Chicago School aus. Bereits in den 1920er Jahren kam es im Rah- men dieser zu einer Auseinandersetzung mit ab- weichendem jugendlichen Verhalten (Trasher 1927). Ohne dabei den Begriff der Jugendkultur bzw. der Jugendsubkultur zu verwenden, waren diese sog. Gangstudien , die in den folgenden Jahr- zehnten in diesem Kontext entstanden, bestrebt sich insbesondere delinquenten Jugendgruppen und der Analyse deren gruppeninternen Wertord- nungen zu widmen (Cohen 1955). Diese, so die Ergebnisse der Arbeiten, normalisierten die abwei- chenden Handlungen im jeweiligen Kontext der speziellen Milieus und dessen eigener normativer Ordnung, die sich von jener, der sie umgebenden sozialen Bereiche unterscheide (Merton 1957). Mertons Argumentation, die die jugendliche De- linquenz mit der marginalisierten sozialen Position der Jugendlichen erklärt, die es diesen erschwere, finanziellen Erfolg und persönlichen Wohlstand zu erreichen, legt bereits eine strukturelle Erklärung abweichenden Verhaltens vor, auf die im Rahmen der Studien des CCCS Birmingham wenige Jahr- zehnte später reagiert wurde. Insbesondere die zweite Generation der Forscher des CCCS beschäf- tigte sich fokussiert mit jugendlichen Subkulturen , die anders als die delinquenten Jugendlichen der Chicagoer Gangs weniger durch ihr kriminelles Potenzial, als vor allem durch ihre Abweichung in der Stilisierung der eigenen Person auffielen. Dabei handelte es sich um Jugendkulturen aus dem Hin- tergrund der britischen Arbeiterklasse, deren stilis- tisches Aufbegehren von den Wissenschaftlern des CCCS in der Tradition des Ansatzes der Chicagoer Schule als eine Reaktion auf soziale Ungleichheit verstanden wurde. Auf der Basis eines neo-marxistischen Ansatzes und im Rückgriff auf die Arbeiten des französischen Linguisten Roland Barthes gingen vor allem John Clarke und Dick Hebdige von der Annahme aus, dass solche jugendlichen Gruppen durch ihre in- szenierte Abweichung über das symbolische Me- dium des Stils einen auf kultureller Ebene formu- lierten Dissens gegenüber der dominanten Kultur der herrschenden Klasse zum Ausdruck brächten und deuteten die jeweiligen Stilformationen in dieser Richtung (Clarke 1976; Hebdige 1979). Trotz der starken Attraktivität dieses Ansatzes für die Auseinandersetzung mit jugendlichen Stilkul- turen stieß die Subkulturtheorie des CCCS schnell auf fachinterne Kritik. Im Zuge der Weiterent- wicklung und der mit dieser einhergehenden Aus- differenzierung der jugendkulturellen Stile sowie ihrer diffusen Vermischung erschien es immer pro- blematischer, Stilgrenzen zwischen den einzelnen jugendkulturellen Gruppen auszumachen (Farin 1998, 23). Gleichzeitig führten diese, teilweise durch die Interessen der Musikindustrie und der Medien begünstigten Vermischungstendenzen zu einem Verlust des oppositionellen und kritischen Bedeutungsgehalts der stilistischen Repräsentatio- nen (McRobbie 1997, 192 f.). Schließlich stellten die Grundannahmen der The- sen des CCCS, die von den jugendlichen Gruppen
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