Handbuch 5. Auflage
Alter 77 für die eigene Gesundheitsprävention zu tun, Rehabilitationsbemühungen selbst zu flankieren oder intelligente Techniken, welche die selbst- ständige Lebensführung fördern, besser zu beherr- schen. Insgesamt ist Lernen im Alter auch hilf- reich, wenn es darum geht, ganz persönlich mit alterstypischen Einschränkungen und Verlusten besser umzugehen. Hierin liegen u. a. wichtige Zukunftsaufgaben speziell für die Erwachsenen- bildungsträger wie Volkshochschulen und dgl. sowie selbst für Universitäten. Anpassung der Alterssicherungssysteme an sich verändernde und flexiblere Lebensläufe Im Bereich der Alterssicherung gilt es, künftig vor allem jene Einkommensrisiken abzusichern, die mit zunehmender freiwilliger oder erzwungener Unterbrechungen und / oder Flexibilisierungen von Erwerbsbiografien zusammenhängen und die wegen der vorherrschenden Strukturprinzipien in der GRV (Versicherungs- und Äquivalenzprinzip) bis in das Alter hineinreichen. Deren Bedeutung hat in den letzten Jahren massiv zugenommen (Ausweitung von Teilzeitbeschäftigung, 400 Euro- Jobs, befristete Beschäftigungsverhältnisse, Leih- arbeit und Phasen von oftmals Langfristarbeits- losigkeit). Davon sind zunehmend auch ältere Beschäftige betroffen. Entsprechende Lösungs- wege markieren z. B. die 2007 von der EU-Kom- mission vorgelegten allgemeinen „gemeinsamen Grundsätze“ für ein Flexicurity-Konzept , das im Kern auf eine bessere Absicherung von erwerbs- biografischer Diskontinuität zielt, deren Weiter- entwicklung und Umsetzung für Deutschland (z. B. im Rahmen der Offenen Methode der Ko- ordinierung (OMK)) noch aussteht (Klammer 2010). Innovative Perspektiven eröffnet auch die Idee der Weiterentwicklung der Arbeitslosenver- sicherung hin zu einer Beschäftigungsversicherung , die auf die soziale Sicherung von typischen er- werbsbiografischen Risiken im Kontext von Arbeitslosigkeit und riskanten Übergängen und damit zugleich auf die Eröffnung von Gelegen- heitsstrukturen für neue berufliche Entwicklungs- perspektiven einerseits sowie auf die Verbesserung von individuellen work-life-balance’s andererseits abzielt (Schmid 2010). Schaffung neuer Wohn- und Lebensformen und Förderung der selbstständigen Lebensführung selbst bei ernsthaften funktionalen Einschränkungen Wohnen ist bekanntlich mehr als nur „das Leben in den eigenen vier Wänden“, was in ganz besonderer Weise auf ältere Menschen zutrifft. Insofern ist die sachgerechte Ausgestaltung der Wohnbedingungen bei Älteren von erheblicher Bedeutung nicht nur für Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe, son- dern zunehmend mehr auch für die Möglichkeit, die selbstständige Lebensführung selbst bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit aufrecht zu halten. Auch weil schon jetzt sehr viele ältere Menschen allein le- ben, ist der wohnungspolitische Handlungs- bedarf – schon allein aus Gründen der Versorgung im Bedarfsfall – hoch. Allerdings gilt gerade für Wohnen im Alter die Heterogenisierungsthese: Wohnwünsche und Wohninteressen älterer Men- schen sind sehr viel variabler geworden und unter- scheiden sich zudem deutlich je nach der Position in den Lebensphasen im Alter. Insofern gilt gerade auch für die Wohnpolitik für Ältere, dass es keine Standardlösungen geben kann. Zwar haben die gro- ßen Mietwohnungsbaugesellschaften vor allem in den Ballungszentren die damit für sie verbundenen neuen Herausforderungen in der Zwischenzeit längst erkannt. Aus sozialpolitischer Sicht bestehen jedoch erhebliche Versorgungslücken im Bereich des Wohneigentums, das in vielen Regionen Deutsch- lands, vor allem in den ländlichen, sehr viel mehr verbreitet ist als das Mietwohnen. Hier sind neben zumeist umfassenderen Wohnraumanpassungsmaß- nahmen insbesondere auch Vernetzungen zu haus- haltsbezogenen und/oder sozialen und/oder Haus- technik- Dienstleistungsanbietern erforderlich sowie nicht zuletzt neue Finanzierungsmodelle für größere Umrüstungsvorhaben. Insgesamt eröffnen sich hier auch neue Aufgaben für die kommunale Sozial- und Altenpolitik. Zwar lässt sich die selbstständige Lebensführung stark über wohnungspolitische Maßnahmen för- dern, diese reichen aber allein nicht aus. Besondere Bedeutung dürfte künftig der Technikunterstüt- zung durch intelligente IT-Systeme zukommen. Ein entscheidendes Stichwort dafür ist das des Am- bient Assisted Living (AAL). Im Falle von chro- nischen Erkrankungen oder im Falle der Rehabi- litation verweisen darüber hinaus insbesondere
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=