Handbuch 5. Auflage

Kommunale Sozialarbeit 891 für die Ambulanten Sozialdienste Vorschläge für Prozessabläufe und damit Standards entwickelt; da- bei ließ man sich von gesetzlichen Vorgaben, fachli- chen Erkenntnissen sowie organisationsbezogenen Notwendigkeiten leiten (INSO 2007). Die Erfassung und Berechnung von Personalbedar- fen und die angemessene Nutzung von (zum Teil selbst entwickelten personalwirtschaftlichen) Refe- renzsystemen sollte eingebunden werden in diverse Maßnahmen der Personalwirtschaft und Personal- entwicklung. Die quantitative Ermittlung von Per- sonalbedarfen setzt natürlich die Auseinanderset- zung mit fachlichen Standards voraus, woraus sich wiederum Anforderungen an die Qualifizierung der Mitarbeiterschaft sowie die Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation ergeben (kön- nen). Die Bedeutung dezentraler Strukturen und Arbeitsweisen für die Qualität und den erforderli- chen Personaleinsatz ist einzuschätzen. Dazu ge- hört auch die Netzwerkarbeit im Sozialraum. Fra- gen der Führungskultur mit ihren zahlreichen Aspekten zu Verfahrensweisen (z. B. Zielverein- barungen, Delegationsprinzipien usw.) und zur Arbeits- und Umgangsweise (Wertschätzung, Ver- trauen, Kontrolle usw.) sind wesentlich für die Er- fassung des qualitativen Personalbedarfs ebenso wie letztlich auch für die quantitative Bemessung. Perspektiven einer Sozialarbeitspolitik Soziale Arbeit und speziell die Jugendhilfe verfügen mit ihren Strukturmaximen im Kontext der Le- benswertorientierung über adäquate Optionen für eine Aktivierung und Nutzung der Ressourcen des Gemeinwesens (BMJFFG 1990, 86 ff.). Dafür ist Transparenz in der Kooperation, Koordination und Planung aller Dienste, Angebote und Maß- nahmen wesentlich und die Teilhabe der Nutze- rInnen gefordert. Die Entwicklung der Leistungen muss zudem in der Region offen und für alle zu- gänglich erfolgen. Schließlich muss es zwischen freien Trägern und der Kommune klare Abspra- chen, eine gemeinsame Planung mit nachvollzieh- baren Standards und entsprechender Überprüfung geben. Soll sich Partizipation in Lebensweltorien- tierung und Transparenz realisieren, müssen so- wohl öffentliche als auch freie Träger ihre unter- schiedlichen Funktionen in Bezug auf Planung und Entwicklung, Beratung, Controlling und Be- willigung / Prüfung /Verwaltung offen legen. Dafür ist nun eine komplexe Kommunikationskultur er- forderlich und sogar „Streitkultur verstanden als die Fähigkeit, die jeweils eigenen Standpunkte zu behaupten und sich doch in offen ausgetragenen Unterschiedlichkeiten und Konflikten zu verstän- digen“ (BMJFFG 1990, 201). Eine darauf ausgerichtete Politik müsste die Gege- benheiten für eine Regionalisierung bzw. einen Sozialraumbezug politischer und sozialer Strategien fördern: Es werden lokale „Umsetzungsbedingun- gen“ unterstützt, ohne die angestrebten Ergebnisse vorab zentral-administrativ zu definieren. Sowohl in der Administration als auch bei Kooperations- beziehungen mit Dritten wird die Entwicklung ei- nes „aktiven Vertrauens“ gefördert. Den NutzerIn- nen bzw. Betroffenen wird ausdrücklich Autonomie gewährt; für diese Autonomie werden Ressour- cen – auch materielle Güter – bereitgestellt. Der Informationsfluss von unten nach oben und die Anerkennung von Autonomie erfordern dezentrale Entscheidungsstrukturen. Eine Neudefinition der politischen Macht zur Aufrechterhaltung der Auto- rität der Zentralgewalt (auf der jeweiligen Ebene) im Kontext einer vermehrten Legitimität durch Dezentralisierung erscheint notwendig. „Aktives Vertrauen verlangt die vermehrte (Sichtbarkeit) sozialer Beziehungen, trägt aber auch seinerseits aktiv dazu bei, diese Sichtbarkeit zu steigern.“ (Giddens 1997, 136) Die Zielsetzung lautet, angesichts der „hergestell- ten Unsicherheiten“ moderner Gesellschaften ei- nen integrierten, demokratischen Prozess Sozialer Arbeit zur Verbesserung und Angleichung von Lebenschancen zu organisieren. Problemla- gen / Lebenslagen (Böhnisch / Schefold 1985) sol- len – als subjektive Lebensäußerung / individuelle Biografie in der objektiven Schnittstelle von indi- vidueller und gesellschaftlicher Reproduktion bzw. sozio-ökonomischer und sozial-räumlicher Lebenswelt – in den Kontext ihrer strukturell-ge- sellschaftlichen Verursachungszusammenhänge gestellt und systematisch auf die verschiedenen Ebenen von Bearbeitungsstrategien einer struk- turorientierten Sozialarbeit / Sozialpädagogik be- zogen werden. Einzubeziehen sind dann: die normative Ebene (Recht, Leistungsgesetze), die materielle Ebene (Geld, Einrichtungen), die methodische Ebene (professionelle Dienste,

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