Handbuch 5. Auflage
892 Marquard Empowerment, Selbsthilfe) und die politische Ebene (Selbstorganisation, demokratische Teil- habe). „Auf dieser Weise ergänzen sich kom- munale Sozialpolitik und Sozialarbeitspolitik im Kontext anderer örtlicher Politiken unter der Zielsetzung der sozialen Ausgestaltung lokaler Lebensbedingungen zur sozialen Kommunalpoli- tik.“ (Olk / Otto 1981, 118) Eine substanzielle Verbesserung der Produktivität und Qualität Sozialer Dienste kann schließlich nur durch die Stärkung der Nachfrageseite in der So- zialen Arbeit erreicht werden; dafür ist ein systema- tischer Wechsel von den institutionellen und orga- nisatorischen Perspektiven hin zur Perspektive der NutzerInnen notwendig. Damit beruht der Erfolg Sozialer Dienste als sozialstaatliche Veranstaltung zentral auf der bürgerrechtlichen Absicherung der Partizipation der nachfragenden Subjekte – sowohl hinsichtlich der Bedürfnisadäquatheit als auch für die Effizienz und Effektivität sozialer Dienste (Schaarschuch 1996, 20). Es bleibt fortwährend zu begründen, welchen Beitrag wohnortnahe Dienste und Einrichtungen hier leisten (können), wenn sie sich öffnen und so ein Erproben demokratischer Strukturen und gleichzeitig ein Einwirken auf an- dere Politikbereiche möglich machen. Gefordert ist dafür sowohl die Vernetzung von Planungsprozes- sen als auch das Angebot neuer Kooperationsfor- men für die BürgerInnen. Vor allem eine sozial- raumbezogene Organisation Sozialer Dienste wird am ehesten an der Eigenverantwortung und den produktiven Ressourcen der Menschen anknüpfen (Marquard 2004). Dies macht eine immer wieder stattfindende Rück- bindung professioneller Praxis an die Rechte und Interessen der NutzerInnen der Sozialen Dienste und an die gesellschaftlichen Prozesse, auf die sich ihre Intervention bezieht, notwendig. Damit ist die Differenz markiert zwischen dem Wissen und dem Kontext seiner Nutzung: Der oder die Professio- nelle muss die Spannung zwischen Wissen und Nichtwissen handelnd bewältigen – ist doch die dem Laien / Betroffenen und dem/ der Professio- nellen zugemutete Handlungskompetenz nicht (immer) identisch mit routinisierten Wissenskom- ponenten (Dewe /Otto 2005, 1414). Professionel- les Handeln soll Umsetzungsstrategien für eine Fachlichkeit integrieren, die Interaktionen gestal- ten sowie Ressourcen fördern und nutzen will, die methodisch auf die Kontextualität von Problemen und Lösungsmöglichkeiten bzw. Umgangsweisen sowie die Kulturalisierung als Förderung der Iden- tifikation mit der eigenen Alltagskultur setzt. Dies verweist auf eine politische Dimension, „de- mokratische Rationalität als Steuerungselemente moderner personenbezogener Dienstleistungstätig- keit“ (Dewe/Otto 2005) zu etablieren. Besonders in personenbezogenen sozialen Dienstleistungsberufen ist ein bisher tradiertes Verständnis von Professiona- lisierung nicht der eindeutige Weg zur Realisierung von Rationalitätsstandards. Professionelles Handeln basiert jedoch immer auf – nicht jedermann zugäng- lichem, wissenschaftlichem – Wissen und entspre- chend spezifischen Methoden; es zielt in der Regel auf die (Wieder-)Herstellung oder Durchsetzung zentraler gesellschaftlicher Werte. Es gilt, die Diffe- renz zwischen dem prinzipiellen Anspruch profes- sionellen Wissens auf rationale Problemlösungen und dem faktischen, in die situativen Aushandlungs- prozesse eingelassenen Arbeitswissen bewusst zu be- arbeiten. Gleichermaßen bleibt die Differenz zwi- schen den generalisierten Problemlösungsangeboten und den lebenspraktischen Perspektiven der Betrof- fenen. Wesentliches Ziel derartiger AdressatInnen- orientierter Handlungsmuster ist der Abbau jener bürokratischen Organisationsstrukturen, die pro- blemadäquaten Handlungsstrategien entgegenste- hen. Grundlegend bleibt dafür eine professionelle Ebene, die Reflexivität und demokratische Ratio- nalität, Handlungsprinzipien einer auf die Mobili- sierung von Ressourcen zielenden Fachlichkeit und ein auf Teilhabe aller zielendes sozialpolitisches En- gagement für eine solidarische Gesellschaft be- gründet und fördert. Sozialraumbezug und kom- munikative Aushandlungsprozesse beschreiben dann wesentliche Instrumente der umsetzungs- bezogenen Arbeitsebene. Fachliche Prinzipien be- ziehen sich auf Lebensweltorientierung und damit auf Gemeinwesenbezug, Aktivierung und Betei- ligung der NutzerInnen, Sozialberichterstattung und beteiligungsorientierte Sozialplanung, Ko- Produktion sowie lokale Demokratie. Auf der Ebene der Organisation geht es um eine zielge- richtete, fachlich angeleitete Optimierung der Auf- bau- und Ablauforganisation im Kontext einer professionstheoretisch begründeten Organisations- entwicklung; es geht um (neue) Steuerungsinstru- mente (Ressourcenverantwortung, Controlling) und damit um die fachliche / örtliche /materielle
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