Handbuch 5. Auflage
Kommunale Sozialarbeit 893 Zuständigkeit für die operative Steuerung. Dazu gehört die Personalwirtschaft und Personalent- wicklung (als strategische Leitungsaufgabe) ebenso wie die Budgetverantwortung. Eine so angelegte Professionalisierungsdiskussion zielt auf die Rekonstruktion eines reflexiven Hand- lungstypus. Dabei wird die Potenzialität der pro- fessionellen Handlungsqualitäten in der Sozial- arbeit / Sozialpädagogik in den Mittelpunkt der Analyse gerückt. So lautet eine erste Definition: Professionalität materialisiert sich in einer spezi- fischen Qualität sozialpädagogischer Handlungs- praxis, die eine Erhöhung von Handlungsoptionen, Chancenvervielfältigung und die Steigerung von Partizipations- und Zugangsmöglichkeiten auf Seiten der Klienten zur Folge hat (Dewe /Otto 2005, 1400). Kommunalpolitische Aushandlungsprozesse In einem permanenten Aushandlungsprozess zur Qualität und Quantität der je örtlichen sozialen In- frastruktur ist die Kommune als politischer Sozial- raum ein greifbares, gestaltbares Gebilde. Dabei müssen sich die ProtagonistInnen von Professionali- tät und sozialpolitischer Fachlichkeit immer auch mit den VertreterInnen anderer Interessen auseinan- dersetzen: Auch fachlich überzeugende Prinzipien und begründete Handlungsstrategien für die Ju- gendpolitik und Soziale Dienste insgesamt bedürfen vor Ort sowohl der Akzeptanz bei den – potenziel- len – NutzerInnen wie ebenso der politischen und materiellen Unterstützung durch die – der regel- mäßigen (Wieder)wahl unterworfenen – politischen Gremien. Anders gewendet geht es um das Bezie- hungsgefüge von Individuen/NutzerInnen zur Poli- tik/Öffentlichkeit und zu den Sozialen Diens- ten/Verwaltung und damit um demokratische Legitimation, professionelle (personenbezogene so- ziale) Dienstleistungsarbeit und die Bereitstellung wie Begründung der erforderlichen Ressourcen für die Soziale Arbeit. Eingebunden in die aktuelle fach- politische Debatte um Ziele, Standards und profes- sionelle Anforderungen einer modernen Sozialen Arbeit wird deutlich, dass das Beziehungsgefüge zwischen Individuen (NutzerInnen) – Bürgerschaft (Politik) – Sozialen Diensten (Jugendamt) gerade auf der kommunalpolitischen Ebene als eminent politischer Aushandlungsprozess zwischen prinzi- piell berechtigten, konkurrierenden Interessen zu begreifen ist und gleichermaßen unter machtpoliti- schen Gesichtspunkten interpretiert bzw. gestaltet werden muss! Zu einer Umsetzung im Gemeinwesen gehören un- ter anderem öffentliche Foren der Auseinanderset- zung über Ziele, Inhalte und Methoden in Form von Armutskonferenzen, Arbeitsmarktkonferenzen, Sozialgipfel usw.; diese könnten insbesondere von VertreterInnen von Wohlfahrtsverbänden, Gewerk- schaften, Kirchen, Hochschulen und betroffenen Initiativen getragen und gestaltet werden. Insgesamt können mindestens drei Ebenen identifiziert wer- den, um eine solche Öffnung undDemokratisierung institutionalisierter Prozesse voranzubringen: Auf der kommunalen Ebene gibt es die politischen und sozialpolitischen Aushandlungs- und Entschei- dungsstrukturen; dann gibt es die Verfahren in In- stitutionen und Einrichtungen; schließlich geht es um den Status der NutzerInnen in der Interaktion mit Professionellen (Schaarschuch 1996, 24ff.). Eine sozialräumliche Regionalisierung bleibt dafür ein wesentliches Arbeitsprinzip, das die Integration verschiedener Bedingungen bzw. Ziele zulässt oder gar fördert: Eigenverantwortlichkeit, Selbsthilfe, Selbstorganisation, Teilhabe; reflexive Kommunika- tion und dialogische Politik; Professionalität, Ganz- heitlichkeit, Normalisierung; Bürgerfreundlichkeit, Verwaltungsmodernisierung und Effizienz. Entscheidend für eine Modernisierung des Sozial- staates im Interesse von Kindern und Jugendlichen, Familien und Menschen in benachteiligten bzw. benachteiligenden Lebenslagen ist ein Perspekti- venwechsel, der die bisherige Beschränkung der Debatten und Bemühungen auf die Reform der Sozialversicherungssysteme aufgibt. Dabei bleibt gleichfalls eine auf den Kinderschutz, die – real zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht wirklich gestie- gene – Jugendkriminalität oder andere Phänomene bzw. sogenannte Problemgruppen verkürzte oder beschränkte Debatte grundsätzlich unterkomplex und nährt (so) die Illusion, wesentliche Versäum- nisse bei der Gestaltung positiver Bedingungen für das Aufwachsen durch immer umfassendere Kon- trollmechanismen und Repression für die Mehr- heitsgesellschaft erträglich gestalten zu können. In den Vordergrund rücken muss die stärkere politi- sche Gestaltung und Absicherung der sozialen Infrastruktur für alle (potenziellen) NutzerInnen
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