Handbuch 5. Auflage

Kulturelle Bildung 917 HandwerkerInnen sowie andere, etwa kaufmän- nische Berufsgruppen. Die Anstellungsverhältnisse der pädagogisch-künstlerischen Anleitung reichen von gut dotierten Beamten- oder Angestelltenver- hältnissen über Teilzeit-, Honorar- und Werkver- träge bis zu ehrenamtlichen Tätigkeiten. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind keine Seltenheit. Es gibt Projekte, Kurse, Unterrichtsstunden, es gibt eine freiwillige oder Pflichtteilnahme, es gibt zensierte und unzensierte Angebote. Es gibt die Möglichkeit zu Produktion oder Rezeption, es gibt Einzelunter- richt, Gruppenarbeit oder Großgruppen. Es gibt curricular geordnete und völlig frei gestaltete An- gebote. Man sieht, dass in einer jeden Dimension (Ort, Zeit, Dauer, Kontext, Anleitung, Zielstellung etc.) eine große Heterogenität möglich ist. Eine empirische Erfassung dieser Vielfalt ist ein Deside- rat (Deutscher Bundestag 2008). Dies gilt selbst dann, wenn man sich auf einzelne Lebensalters- gruppen oder auf einzelne Bundesländer be- schränkt. So fällt der vermutlich am besten erfasste Bereich, nämlich die kulturelle Kinder- und Ju- gendbildung, zwischen die Jugendhilfe- und Kul- turstatistik. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sollen einige Hinweise gegeben werden: Kulturelle Bildung und ästhetisches Lernen in der Früherziehung: Durch PISA angestoßen spielt seit einigen Jahren der Bildungsauftrag auch in der Frühpädagogik eine größere Rolle als früher. Im Bereich der kulturellen Bildung gibt es dabei eine lange Tradition etwa im Bereich der musikalischen Früherziehung von Musikschulen. Ein Grundpro- blem besteht dabei in der Qualifikation der Erzie- herInnen (Bockhorst 2006; Baer 2007). Kulturelle Jugendbildung: Aufgrund des im KJHG erweiterten §11, der kulturelle Bildung explizit als mögliche Form der Jugendarbeit aufführt, hat diese einen anerkannten Stammplatz in der Jugendhilfe. Die Trägerstruktur ist ausdifferenziert, die Ange- bote – auch im internationalen Vergleich – sind flächendeckend. In der Schule stehen die künst- lerischen Fächer national und international in der Gefahr der Marginalisierung (Bamford 2006). Darstellendes Spiel ist als drittes Kunstfach noch nicht in allen Bundesländern anerkannt. Daneben gibt es Initiativen, Baukultur, Tanz oder Kino stär- ker als bisher in der Schule zu verankern. Interna- tional erhält kulturelle Jugendbildung innerhalb und außerhalb der Schule Rückenwind durch die UNESCO, die 2006 eine erste Weltkonferenz zur künstlerischen Bildung durchgeführt und eine „Roadmap“ verabschiedet hat. Vertreter künstleri- scher Fächer beklagen einen hohen Stundenausfall und einen großen Anteil fachfremd erteilten Un- terrichts. Seit der Einführung der Ganztagsschule, die zukünftig als Regelschule gelten muss, wird in der Zusammenarbeit von Schule mit Künstlern sowie mit kultur- und kulturpädagogischen Ein- richtungen eine gute Chance zur Verbesserung der Situation gesehen. Es wurden Kriterien für eine gelingende Kooperation erarbeitet. Zudem gibt es Initiativen zur Entwicklung von Schulen mit einem kulturellen Profil (www.kultur-macht-schule.de ). Neu ist das Konzept kommunaler Bildungspart- nerschaften, bei denen – oft vom jeweiligen Land unterstützt – Kommunen eine systematische Ver- netzung der unterschiedlichen Bildungsorte an- streben (Deutscher Städtetag 2007). Ein besonderer Schwerpunkt ergibt sich aus der Tatsache, dass die Zugangsmöglichkeiten zu An- geboten kultureller Bildung stark von sozial-kultu- rellen Faktoren abhängen, so dass das Recht auf Teilhabe gefährdet erscheint (Maedler 2008). Kulturelle Erwachsenenbildung spielt – etwa bei der hier zentralen Infrastruktur der Volkshoch- schulen – immer schon eine wichtige Rolle. Aller- dings besteht das Problem, dass sich die Förderung über Weiterbildungsgesetze der Länder zunehmend nur noch auf im engeren Sinne als berufs- und ar- beitsmarktrelevant verstandene Angebote bezieht. Kulturelle Bildung steht hier unter einem erhebli- chen Legitimationsdruck. Kulturelle Bildung im Alter dürfte ein Konjunk- turthema der Zukunft sein (de Groote /Nebauer 2008). Wenn die Lebenserwartung der Menschen wächst und die Zeit nach dem Ende der Berufs- tätigkeit (soweit eine solche stattgefunden hat) immer länger wird, steigt der Bedarf an sinnerfül- lenden Betätigungen. Es entsteht in diesem Feld eine Vielzahl von Angeboten, wobei bislang die in- frastrukturellen Rahmenbedingungen etwa im Ver- gleich zur Jugendarbeit sehr viel schlechter sind. Neben diesem sehr kursorischen Durchgang durch die verschiedenen Altersstufen machte es Sinn, An- gebote kultureller Bildung sowohl im Hinblick auf regionale Aspekte (ländliche oder städtische Kul- turarbeit) oder in Hinblick auf besondere Ziel- gruppen (Jungen- und Mädchenarbeit, Menschen mit Migrationshintergrund, Probleme der Gewalt, Menschen mit Behinderung, Strafgefangene etc.)

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=